Bombenstimmung im Bunker

Kriminelles Kultur-Event und Kinderkommando am 2. Septemberwochenende 2012

Volles Haus im Bunker: Die Küche und die benachbarten Speisesäle gaben ihr Debüt als Lesesaal.Bombenstimmung im Bunker, Gänsehaut bei den Krimilesungen und Kinder, die im Gängesystem des ehemaligen Ausweichsitzes der Landeszentralbank Nordrhein-Westfalen bestimmen, wo es lang geht – so präsentierte sich das große Bunker-Event an drei Tagen in der Unterwelt von Satzvey. Junge und alte Besucher, Krimifans wie Geschichtsinteressierte kamen auf ihre Kosten. Mit der Taschenlampenführung gab es erstmals Führungen speziell für Kinder, die über eine Schnitzeljagd durch dunkle Gänge und Zimmer die 2.000 qm große Anlage kennen lernten.

Blutspur im Bunker

Dr. Hans-Peter Schick, Bürgermeister von Mechernich, gab am Freitagabend den Startschuss: „Es ist ein gutes Gefühl von Sicherheit, das hier die Oberhand behält trotz Mord und Totschlag in den Autoren-Lesungen. Man fühlt sich einfach sicher!“, begrüßte er die 70 Zuhörer in einer bis auf den letzten Platz gefüllten Bunkerküche sowie den angrenzenden Speisesälen.

Bunker-Premiere: Erstmals fand mit den Krimitagen „Nordeifel-Mordeifel“ ein Kultur-Event im Atomschutzbunker statt, das durch Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (rechts) eröffnet wurde und in dem neben Frank Marx auch Autor Kai Meyer (links) mit seinen Geschichten Mord und Totschlag in die Bunker-Unterwelt brachte.Die Krimi-Autoren Frank Marx und Kai Meyer hatten zwar ganz unterschiedliche Fälle mit in die Unterwelt gebracht, die dann aber gleichermaßen gut ankamen. Marx, leidenschaftlicher Motorradfahrer, entführte mit hoher Geschwindigkeit und steiler Kurvenlage in eine literarische Welt aus Biker-Jargon, die urtypische Zweirad-Sicht durch das Visier eines Helmes auf den restlichen Straßenverkehr und beeindruckte mit einer kriminellen Geschichte, die sich ab 10.000 Umdrehungen pro Minute im Dresscode „Lederkombi“ abspielte.

Ganz anders bei Kai Meyer, der in vergangene Zeiten entführte und das Benzin gegen Blut eintauschte. Mysteriöse Vorgänge an nicht weniger mysteriösen Orten waren seine Lesungssache, gespickt mit Einlagen körperorientierter Möglichkeiten einer konsequenten Informationsbeschaffung, in deren fortschreitender „Befragung“ Nasenbeine und Fingerknochen zu Bruch gingen.

Mord, Totschlag und viel Blut im Bunker, der mit seiner Kulisse ideale Rahmenbedingungen schuf: Schaurig-schön präsentierte sich die Unterwelt von Satzvey und begeisterte Besucher, Autoren und Organisatoren gleichermaßen. Für Mechernichs Bürgermeister Schick nicht nur eine gelungene Veranstaltung, sondern auch Auftakt für künftige Veranstaltungskonzepte an diesem Ort, der erst zum zweiten Mal für Besucher offen stand.

Kinder übernehmen das Bunker-Kommando

Besucher im ehemaligen Atomschutzbunker der Landeszentralbank in Satzvey, der im Aufbau und mit seinen Aufgaben erklärt wird. Erstmals gab es neben den „normalen“ Führungen auch ein spezielles Kinderprogramm.Eine ganz neue Form der Bunker-Eroberung erlebten dann am folgenden Besuchstag Kinder und ihre Eltern (und auch weitere junggebliebende Besucher) bei den Taschenlampenführungen: Zwei Stunden hieß es „Licht aus, ab sofort haben die Kinder das Kommando“. Durch das Halbdunkel der Bunkeranlage flackerten Taschenlampendivisionen und eroberten Zimmer für Zimmer und Gang für Gang über eine Schnitzeljagd. Hinweise mussten gefunden und  wichtige Bunker-Fragen beantwortet werden. Nach über einer Stunde verriet die letzte Station dann, wie es wieder raus geht aus dem inzwischen liebgewonnenen Labyrinth.

Und auch Geschichtsinteressierte kamen auf ihre Kosten, denn insgesamt 25 Führungen gaben Einblicke und zahlreiche Informationen zum Kalten Krieg und die speziellen Aufgaben für die Landeszentralbank (LZB) an diesem Ort. Besonders spannend: Unter den Besuchern befanden sich auch Ehemalige der LZB, die den Bunker noch aus der „aktiven“ Zeit kannten und Erinnerungen wie auch Objekte mitbrachten. Nicht weniger beeindruckend waren die Eindrücke von Besuchern, die einst als Schüler der Mittelpunktschule dachten, nach Jahren alles über ihr Umfeld zu wissen. Türen und Gänge von der Schule oder dem Schulhof in eine riesige Bunkeranlage unter dem Schulhof – eigentlich unmöglich und bis zur Bunker-Visite im September 2012 auch unvorstellbar.

Blutspur im Bunker Satzvey, der bei den Krimitagen Besucher, Autoren und Organisatoren gleichermaßen begeisterte.So brachten die Führungen nicht nur viel Informatives zu Finanzkreisläufen im „Krisenfall 3. Weltkrieg“, sondern auch Erinnerungen an die Kindheit und die Erkenntnis, auch als Erwachsener an diesem Ort Überraschungen zu erleben.

Für die Unterstützung des Bunker-Events am 7., 8. und 9. September bedanken sich die Organisatoren bei der Stadt Mechernich, besonders bei Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Gabriele Schuhmacher (Touristik Agentur), der Freiwilligen Feuerwehr Mechernich, Löschgruppe Satzvey, der Feuerwehr Bonn sowie den Dokumentationsstätten Regierungsbunker (Bad Neuenahr-Ahrweiler) und Sendestelle Regierungsbunker (Kirspenich) für die technische Hilfestellung.

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12.09.2012