Alzey: Bunker-Unterwelt steht nochmals am 4.11. offen

Führungen durch den Ausweichsitz Rheinland-Pfalz entführen in die Jahre des Kalten Krieges

Plätze der Telefonvermittlung. Der Nachrichtenübertragung kommt in Krisenzentren traditionell eine hohe Bedeutung zu – was sich auch im ehemaligen Ausweichsitz Rheinland-Pfalz mit mehreren Räumen für Telefonvermittlung und Fernschreibbetrieb bemerkbar macht.

Am 4. November (10 bis 18 Uhr) geht es im ehemaligen Atomschutzbunker der Mainzer Landesregierung in Alzey auf Zeitreise: In Führungen werden Übungsunterlagen zum 3. Weltkrieg erklärt und die Folgen für das Bundesland dargestellt. Nach dem erfolgreichen Auftakt für Besichtigungen im Landesbunker 2011 hat der Veranstalter, die Bunker Dokumentationsstätten (Marienthal), mit den gesammelten Erfahrungen das Konzept ergänzt und um konkrete Inhalte aus geheimen Bundesakten erweitert.

Exakt 300 Atombomben schlagen probeweise in den Oktobertagen des Jahres 1962 auf westlichem Gebiet ein. Kernwaffe 213 gilt Speyer. Früh morgens, um 6 Uhr, erwischt es die 2000 Jahre alte Stadt: Eine 80-Kilotonnenwaffe zündet als Bodendetonation auf der Rheinbrücke. Speyer mit seinen 39.400 Einwohnern wird in Sekunden ausgelöscht. Die Krisenmanager des Bundes spekulieren zwar noch kurze Zeit darüber, ob es Überlebende gibt, die man retten kann. Doch ein hochrangiger Beamter zieht einen Schlussstrich: „Verlust: nahezu 100 Prozent“. Währenddessen hat sich die Landesregierung Rheinland-Pfalz in ihren Ausweichsitz zurückgezogen und muss nun feststellen, dass sich Hunsrück, Eifel oder Pfälzer Wald zum nuklearen Hauptangriffsziel des Warschauer Paktes entwickeln. Aus dem Mikrokosmos Bunker heraus organisiert man die atomare Großschadenslage.

Keine Fiktion, sondern reale Bundesakten

Es ist nicht die Fiktion eines Romans oder eines Films, sondern es sind die Geheim-Akten der Bundesregierung zu „Fallex 62“, die Städte wie Speyer oder Zweibrücken atomar beerdigen. Dabei geht es um Schadensbilder und Fragen der Evakuierung wie auch um den Schutz vor Ort, den Bunker der Bevölkerung bieten könnten. Allein: Diese Schutzbauten gibt es nicht. Und die Forderung danach aus dem Bundesinnenministerium wird durch das Finanzministerium mit Hinweis auf die Kosten abgelehnt. Ein Malheur, dass vor 50 Jahren Wellen schlug – bis hinein in den Bundestag. Die Angst vor einem Atomkrieg geht um und ist konkret – gerade in Zeiten der Kuba-Krise 1962. Am Ende baut die Bundesregierung ihren Superbunker an der Ahr. Und auch die Landesregierungen planen, sich im Angriffsfall an geheimen Orten in Bunkeranlagen zurückzuziehen.

3. Weltkrieg: Landesregierung in Alzey

Für die Mainzer Landesspitze heißen die Ziele Burg an der Mosel, später Alzey. Geheim projektiert, eingerichtet und im Rahmen der zweijährig stattfindenden NATO-Kriegsübungen „Fallex/Wintex“ bezogen, ist der rheinland-pfälzische Regierungsbunker eine Mischung aus baulicher Tristesse, funktionaler Technik und nüchternem Kalkül. Der Bunker strahlt insgesamt wenig Wohnlust aus mit seinen grau und gelb gestrichenen Wänden und der spartanischen Einrichtung. Ein Zweckbau, von dem heute niemand weiß, ob er im Ernstfall das gehalten hätte, was man sich von ihm bei seiner Einrichtung 1979 versprach. So ist der Bunker auch politisch-historisch ein Spiegel seiner Zeit, die international geprägt ist von der atomaren Abschreckung zwischen Ost und West.

Ganz genau nachgeschaut: Besucher im Bunker der Mainzer Landesregierung – hier in der Stromversorgung, die über einen Schiffsdieselmotor sichergestellt wurde.Nach Ende des Kalten Krieges wurde der Bunker durch die Landesregierung auf- und dem Aufbau-Gymnasium übergeben, unter dem sich die historische Liegenschaft in Alzey befindet. In Zusammenarbeit mit der Schule wurde die Bunkeranlage 2011 erstmals für Besichtigungen eröffnet – eine Zusammenarbeit, die mit den Führungen 2012 nun erfolgreich fortgesetzt wird. Parallel arbeitet das rheinland-pfälzische Landesamt für Denkmalpflege an einer langfristigen Unterschutzstellung als Denkmal – eine Bewertung des Bauwerks, die seine Bedeutung für die Geschichte von Rheinland-Pfalz hervorhebt und unterstreicht.

Informationen und Anmeldemöglichkeiten zum Besuch des Ausweichsitzes Rheinland-Pfalz am 4. November 2012 im Internet unter: www.bunker-alzey.de

Öffnungszeiten Sonntag, 4. November 2012, 10 bis 18 Uhr; Führungen alle 30 Minuten, Dauer einer Führung 60 Minuten

Eintrittspreise

  • Einzelbesucher: 8 Euro ermäßigt (für Behinderte ab 50 %, Schüler, Studenten, Azubi, Wehrdienstleistende, Zivildienstleistende; gegen Ausweisvorlage): 5 Euro
  • Kinder unter 12 Jahre frei (in Begleitung)
  • Familienkarte (2 Erwachsene und bis zu 5 Kinder bis 18 Jahre): 18 Euro
  • Fotoerlaubnis: 2 Euro/Person (für private Zwecke, ohne Stativ; Videoaufnahmen sind nicht erlaubt)

Wichtige Hinweise des Veranstalters: Die Bunkeranlage ist für Tiere nicht zugelassen. Ein Besuch ist für Menschen mit eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit nicht zu empfehlen. Die Temperatur im Bunker beträgt 18 Grad.

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25.05.2012 Alzey, Rheinland-Pfalz, Landesregierung