(K)ein sicheres Plätzchen für Bonzen …

Zur Geschichte der Abschnittsführungsstelle Frankfurt/Main

Zugangsbereich zur Abschnittsführungsstelle. Die Türen funktionieren noch und können per Handsteuerung gefahren werden.Im September 1965 war Baubeginn des Bunkers, der eine „Abschnittsführungsstelle für Zivil- und Katastrophenschutz“ aufnehmen sollte. Bauherr war das Bundesamt für Zivilschutz in Bonn. Geplant war, das Stadtgebiet Frankfurt in sieben Zonen einzuteilen und für jede Zone eine verbunkerte Befehlsstelle zu errichten. Doch schon während der Bauarbeiten wurde das Konzept verworfen und anstatt sieben geschützter Führungsstellen nur eine gebaut. Die ruht bis heute im Erdreich von Ilbenstadt und präsentiert sich in hervorragendem Zustand. Von hier aus sollte im Kalten Krieg der Stab der Hauptverwaltungsbeamten weiter arbeiten und der Krisenstab der Stadt Frankfurt einen Katastrophenfall koordinieren.

Am 5. Mai 1970 wurde die Anlage an die Stadt Frankfurt übergeben. Die Bunkeranlage war für 94 Menschen ausgelegt, die hier 30 Tage vollständig autark überleben und weiter arbeiten sollten. Neben Wasser, Luft und Stromversorgung waren Klimaanlagen, Sanitärbereiche, ein medizinischer Bereich, ein Dekontaminationsbereich und eine Küche vorhanden.

„Denkzettel“ der Friedensbewegung der 1980er Jahre, die in den Bunker einrückte und ihre Spuren hinterlassen hat, wovon noch heute Schriftzüge im Lagezentrum zeugen.Zur Geschichte des Bunkers zählt neben seiner eigentlichen Aufgabe auch ein „Denkzettel“ der Friedensbewegung der 1980er Jahre. Denn, wie auch beim Bunker der Bundesregierung im Ahrtal, setzten die Aktivisten die Schutzbauten gleich mit Kriegsvorbereitungen und demonstrierten dagegen. Beschränkte sich der Protest im Ahrtal auf die Belagerung des Vorplatzes, war das Agieren in Ilbenstadt weitaus entschlossener: Im März 1985 rückte ein „Kommando Jules Vernes“ in das unterirdische, nicht besetzte oder bewachte Bauwerk vor und zerstörte Einrichtungsgegenstände im Wert von 300.000 Mark. Noch heute ist die zurückgelassene Nachricht „Kein sicheres Plätzchen für die Bonzen - Schweine ins Weltall“ an den Wänden des Lagezentrums zu lesen. Auch das ist Teil der Vergangenheit dieser Anlage und erzählt eine - bundesweit einmalige – Geschichte.